Das Lächeln der Höhe// Spiti Valley bis zur nepalesischen Grenze

Wir entscheiden uns noch mal eine Schlaufe durch das Spiti Valley zu radeln. Der Himalaya haelt uns weiter nah am am Himmel. Im Spiti Valley haben sich, ebenso wie in Ladakh, Buddhisten in kleinen Bergdoerfern angesiedelt. Sie sind Kuenstler! Wenn man ihre Felder betrachtet, auf welchen sie Linsen, Kartoffenl und Aepfel anbauen. Man sieht die schoensten Formen, wie die Felder in die Berge geformt sind, wie eine gruene Patchworkdecke. Zudem, wie auch die Ladakhis,  strahlen sie Zufriedenheit aus, wenn man sie laecheln sieht. Wir erkennen weder Zweifel oder Aengste.

Doch um in dieses Flusstal zu gelangen, startet man von Khoksar. Ben fuettert kurz bevor wir starten noch einen Hund mit Chapati.  Darauf hin freundet sich dieser mit uns an und laeuft uns hinterher. Die Strasse zum Pass, der ins Spiti fuehrt, ist vielleicht die haerteste Strasse, die wir jemals geradeld sind. Dadurch sind wir langsam und unser Freund folgt uns bis wir abens das Zelt aufschlagen. Wir taufen ihn Kardung-La. Er laeuft mit uns drei weitere Tage mit. Dabei ueberwindet er den Kunzum Pass (4590hm). Doch die Strasse, oder auch vielleicht Lucas Fahrstil verursachen ein dreifachen Gepaecktraegerbruch. Die Landschaft ist atemberaubend, und zwar nicht weil die Luft so duenn ist, sondern weil ein eiskalter lebendiger Fluss sich durch die Wuestenberge schlaengelt. Majestetische Saeulen, die sich durch Wind, Eis und Wasser frei gewaschen haben, stehen aus den steilen Waenden hervor. In der Himalaya Region werden immer wieder Permits benoetig, die man in Staedten beantragen muss. Jedoch gibt es keine Schilder auf den Strassen, wann eins benoetigt wird.  So stehen wir dann 70 km hinter Kaza vor einem Check Point, der uns auf Teufel komm raus nicht passieren lassen moechte. Wir nehmen einen Bus zurueck nach Kaza, wo gerade „Happy Divali“ gefeiert wird. Bei diesem indische Fest zuenden Kinder und Erwachsene Feuerwerke an. In Deutschland wuerden diese Kracher als Handgranaten durchgehen. Es wird jedoch sorgendfrei und froehlich gefeiert. Am naechsten Morgen erhalten wir unser Permit und hitchhiken zurueck zum Checkpoint, wo unsere Raeder auf uns warten. Wie erwischen einen Pickup, der uns auf der Ladeflaeche mitnimmt. Die Strasse ist so breit, wie der Donau Radweg und ist an einen steilen Berghang gebaut. Die Leitplanke ist hier ein Fremdword. Aber diesem Gentleman schein das alles nicht zu jucken. Festhalten und zittern vor Schiss und Adrenalin. Aus dem Spiti stossen wir auf ein Flusstal, das uns schlagartig eine neue Farbe zeigt: gruen. Mit dem Gruen endet auch der Buddhismus. Die Felshaenge werden immer bewucherter. Ebenso gibt es immer mehr kleine indische Doerfer, die aber weiterhin vereinzeilt in den Haengen gebaut wurden. Verwinkelt und verspielt sind die Haeuser miteinander verbunden. Auch die Tierwelt  beginnt sich wortwoertlich auszutoben. Da hopsen tatsaechlich Affen vor uns auf der Strasse rum. Wir sind bis zu den Affen geradelt.

Auf einmal gibt es nicht nur Instant Nudeln in den Laeden, sondern frisches Gemuese und unendlich viele Bananen. Eines Abends sitzen wir auf eier Mauer und picknicken. Ben: „Boa! Essen! Das Erntedank Fest, das sollte man mal richtig Feiern! Einfach mal dem Essen zu danken, wann machen wir das in Europa schonmal.“ Luca: „Das schoene am Essen ist nicht nur, dass es uns am Leben haelt. Essen, das ist Kultur und Heimatverbundenheit, es erstaunt uns, es kann uns das ganze Leben versuessen.“ Ja, das Essen ist immer wieder ein wichtiges Thema auf unserer Reise und es macht uns vor allem gluecklich.

Die gruene Bergphantasiewelt wird hinter unserem Ruecken immer kleiner und wir treffen auf  die Grossstadt Dehra Dun. Diese Milionenstadt ist das Tor zu einem anderen Indien. Laut, stinkend und dreckig.

Hinter der Milionenstadt kommt die Stadt Haridwar, die am heiligen Fluss Ganges gelegen ist uns selbst als eine der heiligsten Staedte Indiens gilt. Der Ganges, gerade frisch aus dem Himalaya kommend, ist noch verschont vom Muell. Das hinduistische Ritual  besagt, dass man einmal im Ganges gebadet haben sollte. Das lassen wir uns nicht zwei mal sagen. Jeder macht sein Baderitual auf seine eigene Weise. Manche beten und bemalen sich mit Holi-Farben, manche scheinen einfach nur zu planschen.

Wir muessen nur noch 400Km durch Indien radeln. Wir kaempfen damit nicht auszurasten, wenn wir nieder behupt werden oder von Autos weg gedraengt werden. Ebenso den ganzen Muell zu sehen, den sie ueberall rauswerfen und der ueberquillt. Wir blicken in tausenden Gesichter, die sich nichts anmerken lassen, dass sie im Muell Leben, sich gegenseitigwie verrueckt taub anhupen und in jede versteckte Ecke scheissen. Nein, sie zeigen sich eher als waeren sie wirkich ruhig und was um sie herum passiert, herrausfiltern oder etwas anderes darin sehen.

Wir Verstehen es nicht.

Aber das wir etwas nicht verstehn oder etwas anders sehen, tun wir alle.

Eine indische Geschichte: Ein Guru zeigt drei drei blinden Maennern einen Elefanten. Der erste Mann ertastet das Bein und sagt: „Es fuehlt sich an wie ein Mangobaum mit einem starken Stamm.“ Der Zweite Mann ertastet den Ruessel und sagt: „Aber Nein! Es ist ist eine Schlange.“ Der Dritte ertastet seine Ohren und sagt: „Nicht doch! Es ist ein Adler.“ Der Guru schmunzelt und sagt: “ Ihr habt alle Recht und alle Unrecht.“

Man benoetigt viel Zeit und Pausen um Indien zu verstehe.

45 Tage haben auf jeden Fall noch nicht gereicht.

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