Wo Unabhaengigkeit keine Stimme hat Kashmir – Indien

Srinagar 15.09.17

Der Silbervogel ist gelandet. Und zwar in der Stadt Srinagar, im indischen Staat Jammu und Kashmir.  Hier leben die Kashmiris, eine alte muslimische Volksgruppe, die hier im Hochland Nordindiens leben und schon seit Jahrzententen fuer ihre Unabhaengigkeit kaempfen. Jedoch unter Kontrolle der  indischen Armee leben. Als wir aus den Flughafen herrausrollen, blicken wir auf ein grosses  Schild, auf welchem geschrieben steht: „Welcome to the paradise of earth“. Im Hintergrund sieht man nur Militaer-und Kriegsmaschinen. Die Soldarten erlauben uns es nicht zu Fotografieren. Denn noch bekommen wir etwas vom paradiesischen in Srinagar mit. Die Stadt liegt am Dal Lake. Dieser ist voll von historischen Hausbooten. Die Briten bauten sie als Ferienunterkuenfte in der Kolonialzeit. Nun wohnen auch die Kashmiris dort und nutzen sie immer noch als Guesthouse. Wir werden mit einem Ruderboot abgeholt. Auch unsere Fahrraeder sind an Bord. Aber das Boot geht nicht unter. Wir gleiten leicht ueber den See, der wie ein Labyrinth aus Hausbooten und kleinen begruenten Inseln geformt ist. Die Lichter spiegeln sich bunt und verschwommen im Wasser widerspiegeln. Ebenso wird der Esan (Gebetsruf) gesungen, begleitet von sensiblen Trommeln. Auf diesen stielvollen und klassischen Boot verbringen wir zwei Naechte. Ben ist mutig und besucht einen Friseur, um seine Iro nach zuschneiden. Doch der eifrige Friseur moechte nicht mehr stoppen und rasiert Ben noch Sstylische Streifen in den Nacken. Und am liebsten wuerde er Ben noch einen Porno-Balken rasieren.  „Sieht scharf aus!“ meint Luca. Eines Morgen stehen wir um fuenf auf und werden mit einem Boot zum Vegetable Market gebracht. Die Bewohner vom Dal Lake, die Gemuese anbauen, treffen sich an einer Stelle des Sees und handeln mit ihrem Gemuese. Akrobatisch klettern die Haendler ueber die schmalen Boote und gestikulieren schwungvoll umher. Dennnoch bleibt man der Tourimasche nicht verschohnt. Immer wieder kommen Souvenirhaendler und schauen uns mit Dollar-Augen an.

Nach zwei Tagen  geht es wieder weiter Richtung Leh, Ladakh (500km). Direkt werden wir von einer Familie eingeladen, bei ihrem Haus zu zelten. Einfachheit, diese Familie lebt einfach. Sie essen jeden Tag das gleiche Gericht und besitzen kaum Moebel. Doch ihre zwei Toechter  scheint es unserem Eindruck nach nicht zu stoeren. Wir spielen am Morgen mit einer Dose zwischen den Kuehen Fussball. Zum Fruehstueck bringen wir Cornflakes mit, wir muessen die indischen Shops noch genauer studieren. Cornflakes hat die Familie noch nie gesehen. Mit zweifelnder Miene ruehren sie die Cornflakes vorsichtig mit ihren Fingern in der Milch um. Wir fuehlen uns wie Alien aus dem Westen, die ihnen  gruenen  Glibber anbieten. Aber das finden wir lustig und probieren neugierig ihren salzigen Kashmiri Milch-Cay.

Schnell radeln wir auch hoeher in die paradiesischen Berge, dem an dieser Stelle noch gruenen Himalaya. Doch Kashmir  wird vom indischen Staat nich in Ruhe gelassen im Paradies zu leben. Das Militaer ist hier ueberall praesent. Wir reden mit den Kashmiris und sie sind offen und erzaehlen ihre Geschichten. Das Militaer reagiert unberechenbar und es kommt immerwieder zu Uebergriffen auf die Zivilbevoelkerung. In den Naechten sind schon viele Familien ueberfallen worden, gemordet oder Frauen sexuell misshandelt worden. Kaschmir ist wuetend und verzweifelt. Besonders die junge Generation leidet an Depressionen.

„Das halten viele nicht mehr aus. Deswegen bin ich nach Leh geflohen. What can I do?“ erzaehlt uns Junus spaeter in Ladakh, ein Kashmir-Verkaeufer, der nun in Leh und Goa lebt und arbeitet.

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