Es regnet Kamelle in Nepal //Bhimdatta-Kathmandu

Wir erreichen unser Zielland am frühen Vormittag. Wir können nur schwer erkennen, dass wir uns an einer Grenze befinden. Eine Strasse so groß wie ein Feldweg, voll mit Menschen die hier unterwegs sind, führt uns zum Grenzbüro, wo wir unser Visum beantragen. Wir bekommen drei Monate und sind nun mehr als gespannt auf dieses Land. Nach den letzten Kilometern in Indien hatten wir schlimme Befürchtungen.

Doch es kommt ganz anders. Nepal ist wie das rettende Ufer, eine Insel die uns wieder zurückholt ins Paradies. Der Highway gleicht mehr einem riesen Radweg. Hier hat fast jeder ein einfaches Fahrrad. Vereinzelte Busse sausen vorbei. Aber Autos können wir weit und breit nicht erkennen. Was ein Segen, unser Zielland ist zumindest im Westen ein entspanntes Rad-Land! Und schnell wird uns auch klar warum. Wir sehen die einfachen Lehmbehausungen der lokalen Bevölkerung. Geld für ein Auto hat hier kaum einer. Braucht hier aber auch keiner. So bleibt den Menschen diese paradiesische Welt erhalten. Selten haben wir so gut gelaunte Menschen getroffen. Wir werden angestrahlt und die Schulkinder winken wie wild:“ Bye, bye!“, werden wir eher verabschiedet als gegrüsst. Ben macht vor lauter Euphorie am ersten Abend mit seinem gesamten Fahrrad einen großen Satz in einen kleinen Tümpel als wir gerade einen Zeltplatz gefunden haben. Die gesamte Elektronik ist nass, in diesem Moment ist das aber auch eher egal.

An den ersten Abenden bekommen wir immer Besuch von den interessierten Dorfbewohnern. So kommt es vor, auch mal im Taschenlampenlicht vieler neugieriger Gesichter zu kochen und Abend zu essen. Wir bekommen die Herzlichkeit dieser Menschen so sehr zu spüren.

Immer wieder passieren wir Nationalparks, in welchen sich Affen, Leoparden, Tiger, Hirsche und Krokodile den Jungel teilen. So schlagen wir eines Abends unser Zelt am Rande eines Nationalparks auf. Doch sofort werden wir von den Dorfbewohnern gewarnt. Hier soll jede Nacht ein Leopard unterwegs sein. Sie bieten uns an bei ihnen zu übernachten und wir nehmen das Angebot gerne an. Wir bekommen einen Einblick in das wunderbare Dorfleben Bardapurs. Dreizehn Häuser zählt das Junglevillage und wir werden auch sofort integriert. Übernachten können wir bei Sarmila , ihren Großeltern und ihrem Sohn Babu. Ihr Mann befindet sich zu dieser Zeit mit der Armee in Saudi-Arabien. Sie wohnen in einem kleinen aber feinen Lehmhaus. Unsere Räder können wir bei ihnen ins Haus stellen. Danach setzen wir uns alle gemeinsam in die Küche, einem kleinem Raum mit Feuerstelle und kochen Nudeln, die wir uns dann mit Babu teilen. Am nächsten Morgen werden wir von Dilip, dem Cousin von Sarmila, im Dorf herumgeführt und vorgestellt. Wir fühlen uns wie in einem Filmset eines Mittelalterfilms. Danach gehts im großen Fluss Rapti schwimmen. Nach dem herrlichen Bad gibt es Mittagessen. Sarmila ist eine grandiose Köchin und es gibt traditionelle nepalesische Kost aus dem eigenen Garten: Reis, Linsen, Spinat, Kartoffeln, Bohnen, Salat und Hühnchen. Schmeckt noch besser als es sich anhört. Und so bekommen wir wieder einmal von fremden Menschen das persönlichste Geschenk, welches sie uns machen können, ihr Essen. Wie das Schicksal es so will, hat Bens Schlauch einen unflickbaren Platten und wir müssen verlängern. Da sowieso schon davon ausgegangen wurde, dass wir noch länger bleiben, übernachten wir noch eine weitere Nacht in Bardapur. Am nächsten Morgen möchte auch Dilip noch, dass wir auch bei seiner Familie auf Cay und Essen vorbeikommen. Zum Abschied werden wir vom Dorf offiziell zu Nepalesen bzw, Hindus erchoren und bekommen Blumenkette, Kamelle und Farbe ins Gesicht.

Wir nähern uns Kathmandu. Je näher wir der Großstadt kommen, desto vermüllter und verkehrsreicher wird es. Kurz vor der Stadt ist auf Grund einer Baustelle ein großer Stau entstanden und wir ziehen den Pass an allen Autos vorbei. Und da ist sie, die Stadt, sie liegt uns zu unseren Füßen und wir trinken erstmal einen Cay. Wir fahren ins Zentrum und lassen unser Bauchgefühl entscheiden. So landen wir in einem schönen Hotel an der Freakstreet, wo früher die Hippies ihr Unwesen trieben. Am ersten Abend wird erstmal die gesamte bisherige Reise reflektiert. Es gibt unendlich viele Dinge zu bereden, zu erkennen und verstehen zu wollen.

Wir sind angekommen, in Kathmandu und vielleicht auch ein bisschen mehr bei uns selbst. Doch die Reise ist noch lange nicht zu Ende 😉

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